Das schöne Leben der Toten - Vom unbeschwerten Umgang mit dem Ende.
Mit Victor-Mario Zaballa

Wenn wir den Tod nicht fürchten, wird das ganze Leben leichter.

Der Tod ist immer da, ist Teil des Lebens und des Alltags, wird nicht versteckt und nicht tabuisiert. Man spricht über ihn nicht im Flüsterton und man wechselt nicht die Straßenseite, wenn man einem Hinterbliebenen begegnet. Das ist der Unterschied zwischen der mexikanischen und der europäischen Kultur. In Mexiko freut man sich auf den Tag der Toten wie auf keinen anderen. Denn an diesem Tag sind die Muertitos, die geliebten Verstorbenen, zu Gast. Sie statten den Lebenden nur einen Besuch ab, wenn sie nach allen Regeln der Kunst bezirzt werden, denn, wo auch immer sie sind, es geht ihnen blendend. Unsere erste Zusammenarbeit ist ein sehr persönliches Buch geworden. Victor-Mario Zaballa, ein mexikanischer Künstler, ist selbst schwer krank, aber voller Lebenslust. Er weiß: Die Toten haben die beste Zeit ihres Lebens. Wir müssen nicht um sie trauern, wir können uns darauf freuen, eines Tages mit ihnen ein fröhliches Wiedersehen zu feiern.

Land der Söhne

Über drei Generationen spannt sich Milena Mosers Familienepos und handelt von Kindheitsprägung, Freiheit, Geschlecht und Identität:

Sofia, zwölf Jahre alt, reist mit ihrem Vater Giò im Zug nach New Mexico. Dessen Vater Luigi ist gestorben, und Giò will sich der Vergangenheit stellen – am Ort seiner und seines Vaters Kindheit. In den vierziger Jahren kam Luigi als kleiner Junge aus dem Tessin nach Española, in die Outdoor School for Boys, abgeschoben von der Mutter, die in Hollywood ein neues Leben beginnt. Für Luigi beginnt eine aufregende Zeit, bedrängend und wild. Viele Jahre später geht er selbst nach Hollywood, um Produzent zu werden. Seinen Sohn Giò lässt er zurück in Española, bei dessen Mutter, die auf dem mittlerweile stillgelegten Internatsgelände als Hippie-Aussteigerin die freie Liebe probt. Und auch sie lässt ihren Sohn in der Kommune zurück, um woanders ihre Selbstverwirklichung zu suchen.

Zwei Arten von Kindheit, die sich merkwürdig zu wiederholen scheinen: Land der Söhne ist ein kluges und fesselndes Drama um tief verwurzelte Schuld, Abhängigkeit und Freiheit. Milena Moser erzählt in ihrem bekannten, frischen Ton, und entfaltet dabei eine ganz neue, erzählerische Tiefe.