It was the best of times, it was the worst of times.

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Meine Lieben

erst hab ich diesen Blog eher aus Versehen einschlafen lassen, dann habe ich darüber nachgedacht und jetzt hab ich mich bewusst entschieden: Ich höre damit auf. Ursprünglich war er ja für meine Kursteilnehmer gedacht, ich wollte ihnen Einblick in meine Schreibwerkstatt gewähren, sie das Entstehen eines Romans eins zu eins miterleben lassen. Von der ersten verschwommenen Idee über alle Irr- und Abwege, Zweifel und Höhenflüge bis zum Lektorat und der Veröffentlichung. Das habe ich mit “Das wahre Leben” getan. Dann wurde der Blog zu einer Art Schriftstellerinnentagebuch, zu einem Einblick in meinen Alltag. Und da wurde er dann etwas traurig: Im Nachhinein kann ich meine Verzweiflung, meine Überforderung recht deutlich zwischen den Zeilen lesen – manchmal auch direkt in den Zeilen. Ich listete meine Aufträge auf, als wünschte ich mir, dass jemand eingreifen würde: “Moser, das ist zu viel! Sag mal was ab!” Und auf jeder Lesereise schien ich die Grippe zu haben… Der Blog wurde zu einem Hilferuf, wenn auch einem unbewussten.

Retten kann man sich ohnehin nur selber: Die Ahnung, dass ich mein Leben recht radikal ändern musste, verdichtete sich zur Gewissheit. Ich schloss den Blog und begab mich auf eine schicksalsträchtige Reise, quer durch Amerika und zu mir selbst. Aus dieser Reise wurde “Das Glück sieht immer anders aus”. Und ich nahm den Blog wieder auf, denn schliesslich ist das autobiographische Schreiben ein ganz anderer Prozess. Der Blog begleitete auch diesen bis zur Veröffentlichung und darüber hinaus. Der Blog hielt meine Zweifel und meine Entscheidungen fest, meine Ängste und meine neu erwachende Zuversicht. Dann ging ich. Und ich schrieb nur noch sehr vereinzelt. Was gibt es über das Glück zu sagen? Dass es immer anders aussieht?

Ich will mich nicht wiederholen – das tut das Leben allerdings auch nicht. Es gäbe sicher andere Themen. Das Leben, die Liebe, Amerika… Aber es ist, als hätte jemand diese Aufnahmespur in meinem Kopf ausgeschaltet, die meinen Alltag für den Blog mitschnitt. Vielleicht, weil ich mich immer noch scheue, mich zu sehr zu verzetteln? Ich denke allerdings darüber nach, diese Aufzeichnungen in einem Buch zusammenzufassen – das schon. Aber wer weiss …

Jedenfalls danke ich euch für eure Begleitung in diesen turbulenten Jahren und hoffe, euch auf anderen Kanälen wiederzubegegnen.

Love, M.

 

7 Gedanken zu “It was the best of times, it was the worst of times.

  1. Liebe Milena
    Seit Stunden blättere ich deinem Blog, lese mich da und dort fest, erinnere mich an das, was war, lasse los und steige an anderer Stelle wieder ein …
    Noch einmal verfolge ich das Entstehen deiner Bücher, nehme Anteil an deinem anstrengenden Leben als bekannte Schriftstellerin, begleite deine Vorbereitungen für die Auswanderung und dein Eingewöhnen in Santa Fé. Was für Jahre!
    Jahre, in denen sich auch mein Leben wieder und wieder stark veränderte, nervenaufreibend und beschwerlich war – doch immer war da auch dieser Blog, der mich über Vieles hinwegtröstete. So wie Consuelo in „Land der Söhne“ Giò tröstete: „Schau dich um: Du bist nicht allein. Allen tun die Füsse weh. Das heisst nicht, dass wir nicht laufen können.“
    So nah dabei sein zu dürfen, als du das „Das wahre Leben“ schriebst – das erschien mir wie das pure Glück! Damals waren meine Lebensumstände besonders schwierig, und ich war kaum mehr in der Lage, die nötige Konzentration aufzubringen, um an meinem eigenen Roman zu arbeiten, aber hier im Blog war immer Platz für mich. Immer fand ich einen interessanten Input vor und Kommentare von anderen Schreibenden, die mich anregten, selbst etwas beizutragen. Später dann, als „Das wahre Leben“ fertig geschrieben war, und du nach deinem dreimonatigen Aufenthalt in den USA den Blog fortsetztest, begann gerade meine eigene Auszeit. Die kurze Erfolgssträhne, die mir einen Werkbeitrag für mein erstes Buch und ein paar Preise bei Wettbewerben eingebracht hatte, war endgültig vorbei. Für das Buch hatte ich dank des Werkbeitrags einen Verlag gefunden, es war gedruckt worden, was mir die Aufnahme in den Schriftstellerverband ermöglichte und ins Autorenlexikon der Internetplattform http://www.literaturport.de. Das Buch selber ging gleich nach der Vernissage sang- und klanglos unter. Ich versuchte noch einige Male am Rande von Literarischen Veranstaltungen Werbung in eigener Sache zu machen, aber mir wehte ein derart kühler Wind entgegen, dass ich bald eingeschüchtert aufgab. Hier jedoch war ich stets willkommen. Hier war ich Schriftstellerin, weil ich schrieb, nicht weil ich irgendwelche schriftstellerischen Erfolge vorzuweisen hatte.
    Es war wohl in erster Linie diese Gewissheit, die mich ermutigte, deinen Blog fortan als Übungs- und Tummelfeld zu benutzen. Jetzt hatte ich zwar genügend Zeit und Musse, um mich wieder meinem Rahel-Roman zu widmen, doch die Arbeit daran forderte mich so unerbittlich, dass ich Abwechslung brauchte. Also erteilte ich mir selbst den Auftrag, jede Woche einen ausführlichen Kommentar zu schreiben, der sich auf etwas bezog, das in deinem jeweiligen Input vorgekommen war. Irgendetwas – manchmal war es nur ein winziges Detail, und man konnte den Bezug kaum erkennen. Doch du liessest mich einfach machen! Nie hörte ich ein noch so leises unterschwelliges „Am Thema vorbei“, nie kam in mir auch nur das geringste Gefühl auf, ich würde zu viel Raum einnehmen: Es war in Ordnung. Ich glaube, vor allem diese Erfahrung war ungeheuer wertvoll für mich. Natürlich hätte ich deine Inputs auch nur so als Anregung brauchen und meine Texte über diese Anregungen für mich behalten können, anstatt sie als Kommentare – was sie ja im engeren Sinn gar nicht wirklich waren – in deinen Blog zu stellen, aber ich fürchte sehr, dann hätte ich nicht so lange durchgehalten. Sicher hast du recht: Letztlich kann man sich nur selber retten – aber wenn einem jemand mit echtem Wohlwollen* die Seele füllt, dann ist das schon sehr hilfreich!

    Ich habe dir in meinen Kommentaren oft für den Blog gedankt – so oft, dass es schon beinahe ein wenig inflationär wirkt … Trotzdem noch einmal – zum Schluss: Danke, dass du diesen Blog geführt hast! Du hast mir sehr geholfen.
    Alles Liebe
    Regula

    *Mit ECHTEM Wohlwollen, nicht mit „Grooming“!! Heutzutage gibt es für solche Verlogenheit ja endlich einen Namen. Zum Glück – mir läuft es kalt über den Rücken, wenn ich an Major Bartlett oder Jürg Jegge und ihre Schützlinge denke, die gewissermassen freie Bahn hatten, weil niemand sie je in Frage stellte, damals. Auch wenn sich vielleicht sonst noch nicht viel gebessert hat – hellhöriger geworden ist man wenigstens. Das ist immerhin ein Anfang …

  2. Liebe Milena,
    ich bin ehrlich total traurig, dass Du hier aufhören willst. Ich habe Deinen Blog so gerne gelesen, Du hast mir viel gegeben mit Deinen Beiträgen. Trotzdem verstehe ich Dich ein Stück weit. Und wünsche Dir deshalb aus der Ferne von Herzen alles alles Liebe und Gute. Ich hoffe jetzt einfach mal für mich, dass ich Deinen Texten und Gedanken an anderer Stelle wieder begegne.

    Hab es gut! Und trag Dir Sorge.

    Jutta

  3. Liebe Milena,
    als immer gerne Mitleserin werde ich deinen Blog vermissen. Aber trotzdem kann ich gut nachvollziehen, dass du einen Schlussstrich ziehen musst. Ach, ich lese einfach deine Bücher weiter! 😉
    Alles Liebe!

  4. Liebe Milena
    Vor vielen Jahren habe ich bei dir in Aarau geschrieben, an einem Wochenende und im Rettungsanker-Zyklus. Ich habe profitiert, ich schreibe, ich erinnere und halte mich an einige deiner Sätze und Hinweise. Still und interessiert habe ich mich regelmässig in deinen Blog geklickt und auch in deine Kurztipps auf youtube. Die moo-method hat den einen oder anderen Knopf gelöst. Ich danke dir und wünsche dir weiterhin ein ergiebiges und immer wieder magisches Schaffen in der Ferne. Barbara

  5. Auch wenn ich hier immer sehr gerne gelesen habe, freue ich mich, dass du zu der Entscheidung gekommen bist. Schmeiß den Krempel über Bord, der eher zur Be- als zur Entlastung wird und weiter geht es an anderer Stelle, mit einem anderen Medium. Alles Liebe Karin

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