A(nother) room of my own.

IMG_1943“Warum macht dich das jetzt so glücklich?”, fragt frech ein alter Freund. „Das ist doch nicht dein erster eigener Schreibort!“ Ich habe ihm von dem hellblauen Gartenhäuschen erzählt, dass zwischen Victors Rosenbüschen steht. Von den Wänden, die ich erst weiss und dann doch gelb gestrichen habe, vom selbst verlegten Boden, der fast aussieht wie Holz und von den bunten Lampions, die am Fenster hängen. Ganz fertig ist es noch nicht, so muss ich immer noch ein Verlängerungskabel durchs Fenster hängen. Es riecht immer noch nach Farbe. Die Kaffeemaschine läuft auch noch nicht. Und doch macht es mich unsinnig glücklich, morgens durch den noch kühlen Garten zu gehen, Kaffeetasse und Laptop balancierend, über die Holzbretter zu steigen und die Tür zu meinem 7 Quadratmeter grossen Schreibstübchen zu öffnen. Dabei habe ich immer behauptet – und auch geglaubt! – , es komme gar nicht so sehr darauf an, wo man schreibe – nur, ob man schreibe. Regelmässig und ohne Unterbruch. A room of one’s own fand ich immer weniger wichtig als some time of one’s own.  Ausserdem wollte ich mich nicht abhängig machen. Es gibt so viele Mythen um Schriftsteller und ihre magischen Orte. Thomas Mann, der in jedem Exil funktionieren konnte, wenn er nur seine “Sächelchen” hatte, die genau so und so auf dem Schreibtisch arrangiert sein mussten. Friederike Mayröcker, die “seit Jahren nur in diesem Thonet-Sessel mit den Armlehnen” schreiben kann. Was, wenn das Schiff untergeht, das die Kiste mit den Sächelchen geladen hat? Was, wenn der Thonet-Sessel zusammenkracht? Ich bewies mir meine Unabhängigkeit, in dem ich überall schrieb. Wo immer ich gerade ungestört war.

Im zweiten Stock des alten Bahnhofgebäudes in Oerlikon.

In einem Wandschrank in San Francisco.

In unzähligen Kaffeehäusern.

Immer wieder im Regionalexpress zwischen Aarau und Zürich.

Auf diversen Sofas.

Und natürlich in meinem geliebten Kurslokal in Aarau, wo ich weniger oft an meinem eigenen Schreibtisch sass als im “Inspirationsspeicher” unter dem Dach.

In Santa Fe habe ich nun  eine ganze Casita of my own. Ich schreibe an meinem Schreibtisch mit der selbstgebastelten Platte, die ich mir aus der Schweiz habe nachschicken lassen, bei schönem Wetter (und das ist meistens) am Gartentisch unter der Glyzinie und immer wieder auch in einem von drei Lieblingskaffeehäusern. Und doch – im Gartenhaus schreibe ich anders. Konzentrierter, unabgelenkter. Vielleicht, weil die hellblaue Schuhschachtel exklusiv nur dem Schreiben dient? Es gibt hier nichts, das mich ablenken könnte, nicht, was nicht direkt mit Schreiben zu tun hätte, mit meinem aktuellen Projekten. Und – das Internet reicht nicht bis diesen letzten Winkel des Gartens. Ist es so einfach? Möglicherweise ist es so einfach.