Back in the saddle

ameliaangell-2009072522209-cddc_1-originalEs ist als wäre ich nie weg gewesen. Fast nahtlos nehme ich mein Leben in Aarau wieder auf, als hätte es das andere, das in Santa Fe nie gegeben. Nicht einmal Jetlag habe ich. Ich schlafe, ich esse, ich arbeite. Meine Wohnung steht noch meine Pflanzen blühen auf der Terrasse, die Kurse haben wieder begonnen. Heute lese ich in der Ziegelhütte Schwamendingen aus diesem Blog. Das Konzept der Lesung ist eigentlich ein Missverständnis, geboren aus der Zeitverschiebung und den Tücken der modernen Kommunikation. Eigentlich wollte ich aus dem “Wahren Leben” vorlesen, aus dem Roman, dessen Entstehung man hier mitverfolgen konnte. Diese Lesung unterbreche ich gern mit den entsprechenden Blogeinträgen. Aber als ich den Flyer bekam, stand da, ich würde nur aus dem Blog lesen. Und das habe ich noch nie gemacht. Ist es überhaupt sinnvoll? Interessiert das jemanden? Doch statt Ueli zu bitten, Ankündigung zu korrigieren, nahm ich die Herausforderung an. Ich spürte wieder einmal diesen Kitzel, diesen sportlichen Ehrgeiz, der mich sonst nur am Schreibtisch packt. Die Lust darauf, wieder einmal ins Leere zu springen.

“Super”, schrieb ich zurück, “das machen wir genau so!”

Deshalb habe ich den letzten Tagen noch einmal alle Beiträge gelesen. Eine ähnliche Erfahrung wie ich sie letzte Woche beschrieben habe, nur quasi in der X-Version. Ich blättere mich im Schnelldurchlauf durch die letzten Jahre meines Lebens und muss ab und zu laut lachen. Ebenso oft schüttle ich den Kopf. Mädchen, Mädchen… es wird wirklich langsam Zeit, dass du dich zur Ruhe setzt!

Aber erst einmal fahre ich nach Schwamendingen und denke dabei an meinen Freund Nikolaus, der in den neunziger Jahren die ultimativ coolste Visitenkarte von allen hatte: Darauf stand nämlich nicht, wie es damals auch unter Kulturschaffenden schick war, der schnöslige Zusatz “Zürich- Paris – New York” sondern schlicht “Schwamendingen-Oerlikon-Glattbrugg.”

Und hier sitze ich in Schwamendingen beim Brunch und hoffe trotz allem auf gnädiges Wetter und darauf, dass sich die Zuhörer auf dieses Experiment einlassen, das sich zu einer normalen Lesung verhält wie die reality show zum Film…

Es hat noch Plätze, glaube ich. Ansonsten berichte ich nächste Woche darüber!

Ich bin (wieder da)

IMG_2450Sechs Wochen später und das Buch ist…. nicht fertig! Aber fast! Und so schwer es mir fällt, das zuzugeben, weil ich jahrelang und mit Überzeugung das Gegenteil behauptet habe: Autobtiographisches Schreiben hat durchaus einen therapeutischen Effekt. Grrrrrr!! In diesem, meinem Falll hat der Abstand von einem knappen Jahr zu den Ereignissen eine neue Perspektive eröeffnet. Plötzlich macht alles sinn, was im Moment willkürlich und schicksalhaft schien. Idiotische Entscheidungen, Fehlgriffe, selbst schmerzhafte Erfahrungen: Im Rückb

Das erinnert mich daran, dass eine Freundin einmal gesagt hat, ich solle mir vorstellen, mein Leben sei ein Film und ich sitze im Kino und schaue ihn auf der Leinwand an. Ein Trick, den sie in einem Creative Writing Workshop gelernt hat. Ich weiss noch wie ich sagte: “Oh Gott, ich würde rauslaufen, ist ja immer derselbe Quatsch!” Das muss 15 Jahre her sein. Und schon das gefällt mir: Heute denke ich, interessant wie genau dieser Fehltritt dazu führt, dass… Es tut gut, das Gefühl zu haben, das eigene Leben mache halbwegs Sinn. wenn auch nur fünf Minuten lang.

Am ersten August tauchte Magdalena bei mir in Santa Fe auf. Wir feiern den ersten august immer zusammen, das ist unsere Tradition, behauptete ich: Drei Opfer machen aus einem Mörder einen Serienkiller, drei Besuche zur selben Zeit eine Tradition. Und so stellte sie ihr Wohnmobil vor meiner Türe ab und sagte: “Wir fahren in die Tent Mountains, die Zeltberge.” – die nicht umsonst so heissen. “Ich muss aber schon jeden Tag schreiben”, warnte ich sie. “Zwei Stunden mindestens!” Sie zuckte nur mit den Schultern. Logisch, wir wir sind Schriftstellerinnen, was sollen wir sonst tun? Meine Routine bestand aus einer Yogastunde frühmorgens, dann an den Schreibtisch im nächsten Coffeeshop. Als ich zurückkam, sass Magdalena mit ihrem Laptop auf den Knien auf meinem Gartenstuhl. Sie schaute auf und dann auf die Uhr: “Das waren aber noch keine zwei Stunden!” Und so schreiben wir weiter und es war, als habe sie einen Schalter umgelegt. Ich schrieb immer mehr, immer länger, sechs, acht Stunden pro Tag. Alles andere verlor seinen Reiz. Nicht einmal meine Lieblingsdroge, Fernsehserien, konnten mich mehr ablenken – das erinnert mich an meinen Sohn, der früher, wenn er wirklich krank war, sagte: “Nicht mal Fernsehen hilft mehr!” Das hiess, die Lage war ernst.

In meinem Fall: gut.